Sounds aus den 68er

Die Ausstellung „68. Pop und Protest“ vom 18.10.2018 bis 17.03.2019 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Steintorplatz, 20099 Hamburg, die 200 Objekte aus der wilden Epoche zeigt, berührt hautnah. Bilder, Filme, Texte, Design-Stücke, Modeaccessoires, Musikinstallationen und Plakate erzählen den Charme der Bewegung dieser Zeit. Eine orangefarbige Kantine der Redaktion „Spiegel“, die der dänische Architekt Verner Panton damals gestaltet hat, ist wunderschön.

Er gestaltete alles einheitlich in einem Ton - von der Wandfarbe bis zum Aschenbecher. Die Reaktion der Spiegel Mitarbeiter war gespalten. Die einen waren begeistert von der Modernität der Einrichtung, die Anderen konnten sich mit der ungewöhnlichen Raumgestaltung nicht anfreunden. 2018 stellt die Hamburger Denkmalschutzbehörde den Raum als letztes noch verbliebenes Element des Gesamtkunstwerkes unter Denkmalschutz.

Mode: Zur 68er gehören bunte Farben, die Lebensgefühl ausdrücken. Harte Kanten und solide Farbgebung bleibt für die Nachkriegsgeneration. Frei, kurz, offen lautet der 68er Look.

Die Epoche ist auch geprägt von einer großen Technikbegeisterung. Die Landung der Apollo 11 Mission begleiteten live 500 Millionen Menschen an den Fernsehern. Die Raumfahrtzeit inspiriert viele Menschen und es entstehen neue Konsumideen. Möbel, Elektrogeräte und Mode greifen den Look des Space Age auf und definieren sich damit als Gestalter des Zeitgeistes.

Wichtige Paradigmenwechsel gibt es in der Musik. Eine Festivalkultur gründet sich auf internationaler Ebene. Mit dem Montereg Pop Festival nimmt diese Entwicklung 1967 ihren Anfang und findet mit Woodstock 1969 ihren Höherpunkt. Das Genre Psychedelic Rock greift den Drogen beeinflussenden Lifestyle der Hippies auf, fernöstliche Einflüsse werden integriert; mit neuen elektronischen Klängen wird experimentiert. Afroamerikanische und lateinamerikanische Musik findet Eingang in den Mainstream.

Andy Warhol 1967 beschreibt „Jeder war jetzt Teil ein und derselben Kultur. Popreferenzen machten den Leuten klar, dass sie es waren, was gerade passierte, dass sie keine Bücher lesen mussten, um Teil der Kultur zu sein- Alles, was sie tun mussten, war, das Zeug zu kaufen.“

Große Änderungen gibt es auch in der Konsumindustrie und Werbebranche. Wünsche werden individuell und emanzipiert. Die neuen Werte werden auch in der Werbung gezeigt.

Die Äußerung des Schriftstellers Peter Weiss „Die Straße ist unser Massenmedium“ - reklamiert den öffentlichen Raum als zentralen Ort der Meinungsäußerung. Im Laufe der 1960er Jahre werden visuelle Medien zunehmend dominanter.

Die Rote Fahne entsteht im Kameraseminar von Michael Ballhaus an der Deutschen Film -und Fernsehakademie Berlin. 15 Personen, darunter der damalige Student Holger Meins, tragen symbolkräftige Fahnen im Staffel-Lauf durch die Straßen Berlins bis zum Rathaus Schönenberg, wo Kennedy fünf Jahre zuvor den Satz „Ich bin ein Berliner“ sagte. 02-2019 Inga Khapava

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