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Michael Wolf - Life in Cities

Architectur of Density

Michael Wolf lebt seit 1994 in Honkong. Deswegen wurde Honkong auf natürliche Weise zu seinem wichtigsten Forschungsgebiet und zum Motiv vieler seiner Serien. In Architectur of Density beschreibt er die Architektur von Honkong, einer der am dichtesten bevölkerten  Städte der Welt, wo die Mehrheit der Menschen in gewaltigen Wohnblöcken zuhause ist. Die Architektur dieser Gebäude unterscheidet sich voneinander farblich und nicht förmlich. Seine Stadtpanoramen wirken wie endlose Abstraktionen, welche die Schönheit der monotonen brutalistischen Architektur der Stadt betonen. Die Dichte der Wohnbebauung wird ins Extreme getrieben. Und obwohl auf den Fotos wenig Leben zu sehen ist, können wir über die Tausenden von einzelnen Leben nachdenken, die sich in dieser Massenarchitektur abspielen.

Tokyo Compression

Für diese Serie richtete er seine Kamera auf anonyme Passagiere der Tokioer U-Bahn, eingepfercht in den überfüllten Wagen, die Gesichter gegen die Fensterscheiben gepresst. Die Berufspendler*innen füllen den Wagen bis zum letzten Quadratzentimeter aus. Wolf wendet wieder seinen Stil der Ausweglosigkeit an, wie zuvor in der Serie Architectur of Density, in dem er den Blick des Betrachters im Bilderrahmen gefangen hält, genau wie es den Fahrgästen unmöglich ist, sich aus der fahrenden Kapsel zu befreien. Tokyo Compression zeigt die Höllenfahrt, die Pendler*innen in Tokio jeden Tag auf sich nehmen müssen. Bis 2013 konnte Michael Wolf diese Fotos nur auf einem bestimmten Bahnsteigabschnitt machen, der nicht von Kameras überwacht war. Die U-Bahnstation ist inzwischen geschlossen.

Bastard Chairs (2001 -2017)

Sitzen ist eine der wichtigsten Tätigkeiten in China. Wie für die meisten Dinge in China gilt auch für Stühle, dass die Funktion wichtiger als die Form ist. Auf die Straßen chinesischer Städte begegnete Michael Wolf Stühlen mit provisorischen Beinen, geflickten Polstern und duzendfach behelfsmäßig reparierten Konstruktionen. Die Anziehungskraft, die diese Alltagsgegenstände auf Wolf ausüben, liegt nicht nur in ihrer sozialen Bedeutsamkeit, sondern auch in der Einzigartigkeit, die er in den stark benutzen Gegenständen sieht. Als Michael Wolf eines Tages einen Stuhl in Peking fotografierte, fragte ihn ein Passant, warum er so einen hässlichen alten Stuhl fotografiere. Wolf erklärte, dass er keinen hässlichen Stuhl sieht, sondern einen alten Stuhl, der ein langes und schweres Leben hatte.

Hong Kong Coat Hangers (2016-2018)

Hong Kong Coat Hangers ist mehr als nur eine Sammlung von Kleiderbügeln. Mit diesem Projekt erkundet Michael Wolf das Verhalten und den Einfallsreichturm der Einwohner*innen von Hongkong. In den Straßen und Gassen der Stadt wenden metallene Kleiderbügel nicht nur zum Aufhängen von Kleidung verwendet, sondern auch zur Aufbewahrung von Schuhen, Hüten, Handschuhen, Regenschirmen und Plastiktüten.

The Real Toy Story

Michael Wolfs überdimensionale Installation The Real Toy Story bringt 20.000 Spielzeuge aus Fernost an die Wand und übt damit fundamentale Kritik an unserer  Konsumgesellschaft. Die Wandinstallation mit einer Länge von 23 Metern und einer Höhe von 4,5 Metern, verwendet auch Industrie-Gegenstände als Kunstmaterial und greift auf die knallbunte Plastik-Faszination zurück. Porträtfotografien der chinesischen Fabrikarbeiter*innen und Dokumentationen Ihrer Arbeitsbedingungen kontrastieren das Ambiente. 03-2019 Inga Khapava

www.deichtorhallen.de/ausstellungen