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Gesundes Lebensgefühl Interview mit dem Heilpraktiker Hans-Dieter Regnery

dpr:
In Deutschland klagen sehr viele Menschen über Beschwerden an ihrem Bewegungsapparat, es wird von 80% der Bevölkerung gesprochen, die irgendwann im Laufe ihres Lebens davon betroffen sind. Rückenleiden sind auch eine der Hauptursachen für krankheitsbedingte Fehlzeiten in den Betrieben. Aber auch in kaum einem anderen europäischen Land werden so viele Bandscheiben- und Hüftoperationen durchgeführt, sowie massiv mit Schmerzmitteln therapiert, wie in Deutschland. Sie widmen sich intensiv diesen Krankheitsbildern. Welche Behandlungsalternativen können Sie Betroffenen vorschlagen?

Hans-Dieter Regnery:
Die Möglichkeiten, die die Therapien heute bieten, sind ja mannigfaltig. Die klassische Physiotherapie, die mir bekannt ist, geht in die Muskulatur und setzt am Bewegungsapparat an, in den Gelenken. Es gibt auch die Möglichkeit, seit neuerer Zeit bekannter, die Faszientechnik. Sie kommt im Prinzip aus dem Chinesischen, aus dem Shiatsu, es werden die Akupressurpunkte, die auch bei der TCM benutzt werden, am Periost, sprich am Knochen aufgesucht. Und dort wird durch einen Druck festgestellt, ob die Faszie, das ist das Bindegewebe, in diesem Fall die Sehne, verhärtet ist und verklumpt ist. Das kann man mit diesem Druck feststellen und es wird dann ein Schmerzpunkt gesucht, der auf einer Skala von eins bis zehn geht. Eins ist „Kindergarten“, zehn ist „ich hau dich vom Tisch“. Dieser Punkt ist dann ungefähr ab neun erwähnenswert. Und diese Faszie kann unter einem permanenten Druck von circa zwei Minuten in diesem Schmerzbereich wieder zum Loslassen bewegt werden, in 99,9 Prozent der Fälle. Dies ist dann zwei, drei Mal zu wiederholen und dann hat die Faszie wieder ihre Normallänge normalerweise erreicht. Es dient dazu, die ganze Verbindung von Sehne, Muskel, Sehne, was ja eine Struktur ist, wieder in die Normallänge zu bringen. Weil ansonsten, wenn dort eine Verspannung ist, der Sehne – nicht der Muskulatur – die bedingt sein kann durch Stress, physischen oder psychischen Stress, durch Krankheit, durch Überlastung, dass das Gelenk, an dem sie zieht, immer einseitig belastet ist. Das hat bei Nichterkennen dieses Vorgangs zur Folge, dass ich einen erhöhten Gelenkverschleiß haben kann. Deswegen wahrscheinlich auch unsere Zunahme an Hüft- und Knieproblematiken. Und zudem muss der Gegenspieler, der Antagonist in diesem Fall, vermehrt aktiv belastet werden, um die Struktur in Ruhestellung zu halten. Weil die eine Seite ist verkürzt, passiv durch eine Verklumpung der Sehnen. Die andere Seite muss aktiv in Ruhelage ziehen, damit die Struktur in Nulllage steht. Irgendwann kommt dann der aktive Muskel zu dem Punkt, dass er nicht mehr kann und dies durch einen Schmerzreiz signalisiert. Sehr oft wird dann von verschiedenen Therapeuten oder Ärzten dieser Schmerz im Muskel behandelt. Entweder durch eine Injektion, dass er ruhiggestellt wird, betäubt wird, oder durch Massage dieses schmerzenden Muskels oder durch Tapen. Das bringt alles momentan Erfolg, weil der Muskel dann erst mal entlastet wird, aber die Ursache wird halt nicht beseitigt. Wenn dieser Muskel seine Entspannungsphase wieder verloren hat, ist die alte Situation noch immer da, weil sie ja nicht beseitigt wurde. Die Gegenseite muss also behandelt werden in diesem Fall. Und hier hat man dann die Möglichkeit, durch diese Akupressurtechnik an den Faszien, am Periost, zu entspannen, dass sie wieder die Nulllage bekommt, ohne dass einer von den Muskeln aktiv ziehen muss.

dpr:
Welche weiteren naturheilkundlichen Therapien stehen bei Ihnen noch als erfolgreiche Schwerpunktanwendungen im Fokus?

Hans-Dieter Regnery:
Das ist einmal die orthomolekulare Medizin. Im Volksmund auch genannt die Behandlung sogenannten mit Nahrungsergänzungsmitteln. Nahrungsergänzungsmittel sind solche Mittel, die wir vermeintlich durch unsere Nahrung oder tatsächlich nicht genügend aufnehmen. Dazu sollte man wissen, dass auf vielen Verpackungen auf der Rückseite Verzehrempfehlungen angegeben sind, zum Beispiel bei Vitamin D werden 800 Einheiten angegeben als normale tägliche Verzehrempfehlung. Bis zum Jahre 2012 war diese Verzehrempfehlung bei 200 Einheiten. Sie wurde dort korrigiert auf das vierfache. Vorher gab es die Meinung des Institutes, welches diese Empfehlung ausgab, dass es mehr toxisch wäre. Diese Verzehrempfehlung in diesem Fall von 800 gilt für den normalen Menschen im mittleren Alter, der nicht übergewichtig ist, nicht untergewichtig ist, keine Krankheit hat, keinem Stress unterliegt. Und auch sonst geistig und körperlich gesund ist. Auch schwanger sollte sie nicht sein. Alle anderen Personen, die nicht darunter fallen, dafür gilt diese Verzehrempfehlung nicht. Das heißt, ich mache mir hier von einem Einzelpatienten ein Bild in einem ausführlichen Anamnesegespräch, wo nicht nur die aktuellen Lebenssituationen betrachtet werden, auch die Historie, die aktuellen Problematiken und Umstände beleuchtet werden, um dann daraus zu sehen, was hat dieser Mensch für einen speziellen Bedarf an den verschiedenen Nährmitteln, Vitaminen, Mineralstoffen, Eiweißen, um dort Mangelerscheinungen entgegenzuwirken oder bestehenden Mangel beseitigen zu können. Das kann zur Folge haben, dass Medikamentengabe verringert werden kann oder unter Umständen ganz auf Medikamente für spezielle Fälle verzichtet werden kann. Das ist möglich im Schmerzbereich, bei Migräne zum Beispiel, bei Kopfschmerzen, kann auch sein bei Magenproblemen oder Darmproblemen. Dazu wird unter Umständen noch eine Labordiagnostik herangezogen, um die Therapie beziehungsweise die Diagnostik zu unterstützen. Was ich immer ganz gerne mache, ist, am Ende anfangen. Sprich eine Stuhldiagnostik zu Anfang zu machen. Weil dies hat eine sehr hohe Aussagekraft. Das Labor kann über die Stuhldiagnostik herausbekommen, was hab ich für eine Florabesiedlung, was hab ich für eine Bakterienbesiedlung in meinem Darm, was machen meine Gallensäuren, sind die alle vorhanden? Sprich ein Rückschluss auf die Leber. Was machen meine Pankreas-Enzyme? Rückschluss auf die Funktionsfähigkeit der Bauchspeicheldrüse. Wie sieht mein Immunstatus aus? Circa 70 Prozent der Immunabwehr sitzen im Darm beheimatet. Aufgrund dieses Ergebnisses kann ich eine Aussage treffen, ist mein Darmmilieu in Ordnung. Weil der Proktologe schaut unter Umständen die zwei Meter Dickdarm an, der Gastroenterologe unter Umständen bis in den Zwölffingerdarm. Dazwischen liegen sieben bis acht Meter Dünndarm, die bis heute noch keiner optisch untersucht oder überhaupt diagnostiziert. Und da passieren die meisten Sachen. Da passiert die Nährstoffaufnahme, da funktioniert der Flüssigkeitsentzug und, und, und. Und wenn ich da schon ein Problem habe, dann brauche ich erst gar nicht weiter zu behandeln, dann muss man erst mal schauen, dass man das in den Griff kriegt. Das kann sein, dass ich ein „Leaky Gut“ habe, ich kann eine pH-Wert-Verschiebung haben. Also ein „Leaky Gut“ ist ein löcheriger Darm. Das heißt, der Darm nimmt Nährstoffe auf, die er gar nicht braucht oder die ihm schaden, dem Organismus. Der nächste, der in der Reihe liegt, ist die Leber, die dann mit erhöhten Leberwerten vielleicht reagiert oder Cholesterinerhöhung reagiert und die dann eventuell behandelt wird, obwohl die Ursache eine Etage tiefer steckt. Und darauf wird dann die weitere Diagnostik aufgebaut.

dpr:
Heilen ganz ohne die Verordnung von Medikamenten ist sicher auch bei Heilpraktikern nicht denkbar. Es wäre bestimmt eine Katastrophe für die Pharmaindustrie, wenn mit Vitaminbe-handlungen schwere Krankheiten geheilt oder zumindest gelindert werden könnten. Was aber ist wirklich dran zum Beispiel an dem augenblicklich überall als „Wundervitamin“ propagierten sogenannten Sonnenhormon Vitamin D?

Hans-Dieter Regnery:
Also die Pharmaindustrie hat ihre Daseinsberechtigung, keine Frage. Und wir müssen als Heilpraktiker auch bestimmte Regeln einhalten und Krankheiten, die vorgeschrieben sind, nach dem Infektionsschutzgesetz melde und Tumorerkrankungen weiterleiten an die klassische Medizin. Was ich im Vorfeld als Prophylaxe machen kann, ist wie im Vorhinein schon erwähnt, schauen, dass meine Speicher, die der Körper braucht, um sich selbst helfen zu können, immer so gefüllt sind, dass ich nicht schnell in Schieflage gerate. Das Beispiel des Autos hatte ich hier noch nicht erwähnt, aber im Prinzip beim Auto schaue ich auch immer, ob der Ölstand in der Mitte liegt. Wenn er zu hoch ist, kann das Öl überkochen und das führt zum Motorschaden. Wenn es zu gering ist, kann der Motor zu heiß werden, das führt auch zum Motorschaden. Deswegen sollten meine Vitalstoffe wie Vitamine, Eiweiße zum Beispiel Mineralien, Spurenelemente immer im mittleren Pegelbereich sein, dass der Motor „leben, sprich Motorkörper gut arbeiten kann. Speziell das Vitamin D, was wieder aus der Versenkung emporgekommen ist in den letzten Jahren, hat durch verschiedenste Studien Auftrieb bekommen. Es wird bei uns meines Wissens von der Pharmaindustrie nicht so gerne gesehen, weil man mit einer frühzeitigen Disposition im ausreichenden Maß, welche man messen kann und entsprechend disponieren kann, einige Erkrankungen lindern oder vielleicht sogar vermeiden kann. Eine dieser Erkrankungen ist zum Beispiel die Osteoporose. Wir nehmen Kalzium jeden Tag mit der Nahrung zu uns. Aber unser Darm kann dieses nur ins Blut transportieren, wenn ausreichend Vitamin D da ist, zusätzlich vorhanden ist. Und in neuester Zeit kommt auch das Vitamin K2 mit dazu. Ich benötige für den Kalziumeinbau in die Knochen ein Serumsspiegel von 32 Nanogramm pro Milliliter. Die klassische Schulmedizin sagt, ein Wert von 20 ist okay. 30 ist eine obere Grenze. Im orthomolekularen Bereich wird von einem Pegel von 50 ausgegangen als Normalwert. Wenn ich kein Vitamin D zu mir nehme beziehungsweise es nicht disponieren kann über die Sonne, weil der Weg geht normalerweise über die Sonnenstrahlung auf der Haut, danach geht es zur Leber und wird in der Niere fertig synthetisiert. Nur diese Sonnenstrahlung ist die UVB-Strahlung. UVA-Strahlung macht die Bräune, UVB-Strahlung macht die Syntheseleistung in der Haut. Diese UVB-Strahlung braucht einen bestimmten Winkel auf der Haut. Das heißt, mein Schatten, den die Sonne wirft, muss kürzer sein, als ich groß bin. Erst dann steht die Sonne in dem Winkel, dass das funktionieren kann. Das heißt, die Frühjahrs- oder die Wintersonne ist angenehm, aber nicht mehr dafür effektiv. Der junge Mensch braucht circa 20 Minuten im Badeoutfit, die junge Haut, um circa 40.000 bis 100.000 Einheiten Vitamin D zu synthetisieren. Die ältere Haut, eineinhalb bis zwei Stunden, weil die Syntheseleistung der Haut nachlässt im Badeoutfit. Maximal Lichtschutzfaktor 8. Darüber hinaus kommt keine UVB-Strahlung mehr an die Haut ran, und es wird keine Syntheseleistung synthetisiert. Deshalb haben zumindest alle Patienten, die ich bis jetzt untersuchen durfte, einen Spiegel zwischen 9 und 14 gehabt, obwohl viele davon sagten, sie sind jeden Tag draußen und im Garten in der Natur unterwegs. Folge von diesem geringen Vitaminserumgehalt kann sein, dass unsere Nebenschilddrüsen das Parat-Hormon  ausschütten, um Kalzium aus dem Knochen auszubauen, dem System zu Verfügung zu stellen, weil die Knochen sind unsere größten Kalziumspeicher. Die Folge kann sein eine Entmineralisierung der Knochen. Bei uns ist es meines Wissens so, dass bei der Knochendichtemessung ein Wert von 33 Prozent Verlust noch im grünen Bereich liegt. Ich nehme dann gerne wieder das Auto zur Hilfe und sage dann dem Kunden, ich schraube dir einen Reifen weg von deinem Auto. Das sind nur 25 Prozent. Ich wünsche dir noch eine gute Fahrt. Damit dem Kunden oder dem Patienten bewusst wird, was 33 Prozent sind. Und dann verwundert es auch nicht, wenn ältere Menschen stolpern, und sie sich mit einem Bein abfangen, einen Oberschenkelhalsbruch bekommen, weil das der schwächste Punkt ist am Oberschenkel, der eigentlich der stärkste Knochen ist, der Oberschenkelknochen, wenn dieser entmineralisiert ist zu 33 Prozent oder mehr, dass ich dann dort eine Sollbruchstelle habe. Wenn ich eben genügend Vitamin D und demnächst auch Vitamin K2 zu mir nehme, entweder durch Sonne, wenn ich die Möglichkeit habe, oder aber durch eine Tablettengabe, also in Tablettenform, kann ich mich so einstellen, dass ich das Risiko Osteoporose, es wird auch gesagt, Prostatakarzinom, Mamma-CA, Blutdrucksenkung, circa 600 bis 800 Stoffwechselprozesse, die mit Vitamin D funktionieren, im Griff habe und auch die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung geringer ist.

dpr:
Aber Ärzte sagen das überhaupt nicht. Ich bin mit Medikamenten oder wenn überhaupt in zwei Minuten maximal behandelt. Sie sind jung, alles funktioniert. Weg. Woher kann ich jetzt wissen, dass ich einen Heilpraktiker besuchen sollte und wenn ich das tue, wem ich glauben soll. Woran hängt das?

Hans-Dieter Regnery:
Ich sage mal so, die Schulmedizin, die Menschen, die Mediziner werden, die lernen wirklich auswendig und bei uns darf ja nur Medizin studieren, wer ein Einser Abitur hat. Das heißt ja, dass die Leute auch sehr gut lernen, ja auch auswendig lernen können. Sie lernen die Anatomie, die Physiologie, die Pathologie, die Symptome und die Medikamente, die auf die Symptome passen. Manchmal gewinnt man bei einem Arztbesuch den Eindruck, du bist ja noch gar nicht drin, dann schreibt der schon. Der hat ja im Kopf, aha, Schnupfen und Husten ist ... Der muss nicht nachgucken, das hast er gelernt. Böse Zungen behaupten Ärzte wären Erfüllungsgehilfen der Pharmaindustrie. Kann man böse oder kann man nicht böse sehen. Der Heilpraktiker lernt das zum Glück nicht. Er lernt keine Medikamente und, und, und. Wenn du deine Prüfung bestanden hast, dann lernst du eigentlich nur Anatomie, Physiologie, Pathologie, wie sieht das aus? Ende. Und danach kannst du halt dich spezialisieren auf verschiedene Bereiche. Der eine macht eben Osteopathie, Faszientechnik, der andere macht Orthomolekularmedizin, der dritte mach Homöopathie. Verschiedenste Bereiche. Bioresonanz, Magnetfeld oder, oder, oder. Du bist da frei mit dem, was du dann anbietest. Du musst es halt nur gelernt haben. Weil nicht jeder Heilpraktiker macht unbedingt gesund. Der eine hat sich auf Rücken spezialisiert. Zum Beispiel ich mache „Dorn Breuss“, wieder Einrenken. Der andere macht nur Gesprächstherapie. Da muss man immer schauen, was bietet der gute Mensch oder die Frau da an. Dadurch dass wir aber jetzt nicht drauf fixiert sind, von der Firma XY das Medikament YZ nehmen zu müssen, können wir ganz anders schauen. Und wir können uns auch durch eine andere Besoldung oder Entlohnung, wie auch immer, wir haben auch eine Gebührenordnung, wir müssen uns aber nicht dran halten. Wir können das mit dem Patienten frei verhandeln. Es gibt eine Gebührenordnung, wenn man mit der Kasse abrechnen kann, das heißt, wenn eine Versicherung besteht, dass die Heilpraktikerleistungen übernommen werden, dann gibt es eine Gebührenordnung, die man ran ziehen kann. Dann ist ein Beratungsgespräch, je nachdem, zehn Euro. Da könntest du auch nicht so lange mit dem verhandeln oder behandeln oder sprechen. Und da kostet eine Invasion 11,80 Euro. Dafür kannst du dich nicht eine halbe Stunde neben den Patienten setzen. Da kann man immer gucken, was macht man, wo trifft man sich. Aber ich kann mir als Heilpraktiker normalerweise mehr Zeit nehmen als der Arzt. Der Arzt bekommt von der Kasse für einen Kassenpatienten 57 Euro im Quartal. Egal, ob der einmal auf dem Stuhl sitzt oder 15 Mal. Von daher ist die Zeit, die der mit dem verbringen kann, relativ eng. Weil der hat draußen mindestens drei Rezeptionskräfte, sich selber, die Praxis und, und, und. Das heißt, der muss wirtschaftlich denken, noch wirtschaftlicher denken, da muss er durchknallen. Privatpatient kriegt er, glaub ich, pro Sitzung 29 Euro. Da kann er sich schon mal ein bisschen mehr Zeit nehmen. Das sind so die Unterschiede. Warum man leider Gottes nicht die Zeit hat, um sich den ganzen [Patienten] zu betrachten. Und viele meiner Kolleginnen und Kollegen legen viel Wert darauf, also nicht nur zu sehen, ich hab da jetzt einen Schmerzpunkt, das tut jetzt weh, das müssen wir jetzt behandeln, sonder eben gucken, wie sieht denn das ganze Gebilde Mensch aus, was da vor mir sitzt. Was haben wir für Probleme? Das kann von der Verspannung kommen, das kann von da kommen. Immer wieder gerne genommen. Oder, oder, oder. Es kann auch hier hinten am Kreuz liegen, weil wir sind ein System. Durch die Faszien, die vom Fuß bis zum Kopf gehen, wenn ich ein Sprunggelenk schief sitzen habe, kann das hier oben „Aua“ machen. Also kann sein. Und dafür hat der Arzt unter Umständen gar keine Zeit, sich das anzugucken oder der Orthopäde. Da tut es weh, Spritze. Tschüß, der nächste.

dpr:
Jeder muss seinen Heiler finden. Das ist ein Prozess, intuitiv oder durch Zufall. Wenn du dann bei dem richtigen bist, ist es okay. Weil die Leute, die zum Heilpraktiker gehen, sich normalerweise auch sich mit ihrem Körper beschäftigen oder mit den Dingen, die sie erreichen wollen und sich einfach ein bisschen mehr kümmern als einer, der sagt, ach, Schmerzen = Arzt. Ein Mensch, der zum Heilpraktiker geht ist eher ein proaktiver Patient. Vielleicht ergebnisorientiert. Der sagt, egal, ob ich Globuli schlucke oder ob der jetzt an mir rumdrückt, ich will rausgehen und will wieder fit sein. Und das ist eben oft dann auch Zufall, weil keiner kann alles anbieten und alle Techniken beherrschen.

Hans-Dieter Regnery:
Und die Natur, die Naturheilmittel wirken sehr oft nicht direkt. Auch die Globulis machen erst mal Krankheitsverschlimmerungen, weil sich der Körper erst mal aufbauen muss dagegen, um das dann besser zu machen. Das hast du sehr oft in diesen Bereichen, dass es erst mal das Symptom verschlimmert und dass es dann abklingen kann. Der Körper muss erst sich dagegen aktivieren. Dann kommt es zu einer Rebellion, bis der Gute wieder in der Überzahl ist und dann sind die anderen dann weg. Und wenn du zum Arzt gehst und Medizin bekommst und die schluckst, dann ist normalerweise das Symptom relativ schnell weg. Und da sind die Leute verwöhnt. In Diskussion kommt sehr oft: Das kostet ja nichts. Ich sage, das kostet nichts, weil es die Kasse bezahlt. Sie müssen aber entscheiden, ob das der richtige Weg für Sie ist. Das kann keiner abnehmen. Der Patient, von dem ich sprach, der hat zehn Medikamente, drei Blutdrucksenker, ein Statin, da steht drin unter anderem Gangunsicherheit, Schwindel, Übelkeit. Die Symptome hat der gute Mann. Wenn ich das will, dann muss ich das machen. Kostet ja nix. Aber ich muss dann auch mit den Konsequenzen klar kommen. Das heißt nicht, dass man morgen alles absetzen kann, aber man kann gucken, an welchem Rädchen kann man schrauben, um die Dosierung langsam runterziehen zu können, weil diese Nährstoffe, die man dazugibt oder die Vitamine das ausbalancieren können. Vitamin D, hatte ich grade schon mal gesagt, macht eine Gefäßerweiterung, wirkt eigentlich blutdrucksenkend. Da könnte es sein, dass ich dann eine Zeit X, wenn das gegriffen hat, das eine oder andere Mittelchen weglassen kann, was den Blutdruck senkt und dann weniger geben muss. Das tut meinem Körper ja auch gut dann, wenn ich weniger von den anderen Sachen brauche. Es geht ja nicht darum, irgendeine Industrie zu fördern, sondern um den Patienten, zu gucken, dass der mit seinen Sachen, die er nehmen muss, einigermaßen nett über die Runden kommt. Ich hab einen Patienten, der hatte im Januar einen Verkehrsunfall. Hat aber nur eine Rippe gebrochen. Und dann hat man festgestellt, der hat die Arterien zu in beiden Beinen. Hat man gesagt, wenn Sie schon mal da sind, machen wir das. Dann hat sich eine Seite entzündet. Der lag sechs Wochen im Krankenhaus. Antibiotikagabe ohne Ende. Der ist seitdem nicht mehr aus dem Bett gekommen. Da hab ich gesagt, irgendwas muss doch passiert sein. Du bist da rein, du konntest gehen, du konntest Auto fahren. Dann warst du sechs Wochen im Krankenhaus und jetzt liegst du ein halbes Jahr im Bett und kannst nicht mehr laufen. Irgendwas muss schief gegangen sein. Irgendein Energielieferant ist ja dann weg. Wenn er nicht mehr die Energie hat, aufzustehen. Und das ist ein recht komplexer Vorgang, der da passiert bei uns in den Zellen, um die Energie aufzubauen oder wegzumachen. Und da sind viele mit überfordert in den Universitätsklinken oder Kliniken, weil das nicht zum Ausbildungsumfang gehört, nicht unbedingt. Das ist schon ein spezielles Gebiet. Und Vitamin D, grade das Thema, ist von der Industrie nicht gerne gesehen, weil ich hab im Jahr in Deutschland meines Wissens, sieben Milliarden kosten mich die Osteoporose-Behandlung. Die Krankenkassen bezahlen jedes Jahr circa sieben Milliarden Euro für Osteoporose-Behandlungen. Das ist ein Wahnsinnsgeschäft. Und wenn ich jetzt den Großteil der Bevölkerung für sieben Euro im Monat, so viel kostet Vitamin D für einen Monat ungefähr, 100 Stück à 100 Einheiten sind da drin, da vielleicht nur die Hälfte weniger machen würde, wären 3,5 Milliarden, die denen flöten gehen würden. Geht gar nicht. Oder die Kassen bezahlen eine Chemotherapie für 80.000 Euro. Aber für 30 Euro Vitamin C im Monat ist kein Geld da, um die Chemo besser zu verkraften, weil da steht nicht in den Statuten drin. Ich hab eine 86-jährige Patientin für die Füße, die hat jetzt grade Mamma-CA operiert bekommen. Also einen Brustkrebs, vermeintlich. Sie kriegt keine Medikamente innerhalb von zwei Wochen. Die Untersuchung positiv, angeblich dann die Entnahme auch positiv und dann direkt die OP. Ganz, ganz wichtig mit 86. Und die kriegt jetzt als einziges Medikament ein Östrogensenker. Die Frau ist schmal. Die hab ich gefragt, hat man bei Ihnen mal ein Östrogenspiegel genommen? Weiß ich nicht. Ich hab vor drei Wochen, auf dem Seminar war Dr. (Schwender?) da aus München, dann hab ich mal gefragt, Patientin Soundso. Da sagt er, das gehört zur Therapie. Ich sage, wie gehört zur Therapie? Ja, sagt er, egal, ob die Frau 15, 35, 85 oder 105 ist, Östrogensenker gehört zur Therapie. Ende. Wenn der Arzt keinen Fehler machen will, gibt er einen Östrogensenker. Weil normalerweise nach der Menopause gehen Östrogen und Progesteron runter. Und wenn man etwas moppeliger ist, dann weiß man heute, dass das Fettgewebe noch Östrogen produziert. Weil die Frauen, die ein bisschen kräftiger sind, die sind auch im Alter noch faltenfrei und sehen gut aus. Weil Östrogen sorgt auch für den Feuchtigkeitsgehalt der Haut unter anderem. Und es ist auch wichtig, unter anderem für den Knochenstoffwechsel. Weil sonst, wenn das Östrogen weg ist, kann es sein, dass du ein Wirbelkörper irgendwo hast. Witwenbuckel sagt Ihnen was? Wenn die Frauen so im Alter so runter ... im Prinzip dann so gehe. Das nennt man Witwenbuckel für ältere Frauen, weil wenn Östrogen fehlt, wird der Knochen auch zusätzlich entmineralisiert. Und dann brechen die Wirbel ein. Die brechen dann zusammen. Bei Jugendlichen gibt es schon mal Scheuermann, das ist ähnlich, das ist auch ein Wirbelkörpereinbruch. Bloß dann eben bei älteren Leuten ... Aber da kann man auch heutzutage was gegen tun, wenn die Ärzte aufgeschlossen sind. Da gibt es Östrogene und Progesteron als natürliche Wirkstoffe. Zum Beispiel Rotklee produziert natürliches Östrogen. Und das kann man als Salbe als Dauergabe sich täglich einreiben, das wird über die Haut aufgenommen. Dann wird dieser Spiegel angehoben und die Frau kommt nicht in die Schräglage mit ihrem Hormon. Weil die Natur hat gar nicht gedacht, dass wir mal so alt werden.

dpr:
Gerade bei der Hormonbehandlung von Frauen bei klimakterischen Beschwerden steht die Gabe synthetischer Hormone unter dem Verdacht Brustkrebs zu fördern. Wo liegen die entscheidenden Unterschiede bei einer Behandlung mit bioidentischen/körperidentischen oder synthetischen Hormonen?

Hans-Dieter Regnery:
Also früher, meines Wissens, ich bin jetzt kein Gynäkologe, aber ich weiß von Bekannten, wurde da einfach die Pille weitergegeben. Die Pille ist ja ein reines Östrogen in den meisten Fällen. Heute weiß man, dass Östrogen alleine den Brustkrebs fördern soll, das Risiko der Erkrankung an Brustkrebs fördern soll. Man weiß auch heute durch diverse Studien, dass die Gabe von Östrogen und Progesteron meines Wissens im Verhältnis von 200 zu 1 dieses Risikos des Brustkrebses wieder minimiert. Wieder auf den normalen Wert zurückführt. Es gibt einige Frauenärzte und -ärztinnen in Deutschland, aber wirklich nur einige, die das ihren Patientinnen auch so vermitteln und da auch entsprechend kompetent sind. Eine Adresse kann man auch über mich erfahren von einer Kollegin, Ärztin, eine Gynäkologin im hessischen Raum. Die damit sehr gute Erfolge hat, weil wie grade schon gesagt, früher kam Mensch, Frau in diesem Fall, gar nicht in Versuchung, mit Östrogenmangel umgehen zu  müssen, weil man schon vorher gestorben ist. Seit unsere Lebenserwartung gestiegen ist, haben Frauen die Probleme mit psychischem Leiden, mit Knochenentmineralisierung und mit Brustkrebs, der vermehrt zunimmt in dem Bereich. Und eben Austrocknen der Haut, wenn man beobachtet, dass ältere schlanke Frauen meistens eine sehr faltige Haut haben, das liegt meistens an Östrogenmangel, weil die Haut dann eben die Fähigkeit, die Feuchtigkeit zu speichern, verliert. Und die natürlichen Östrogene, die aus Pflanzen gewonnen werden, und die Hormone, sind auch sehr gut meines Wissens verträglich, das weiß ich jetzt nur aus der Quelle der Ärztin, ich selbst habe damit keine Erfahrung. Wie auch immer. Jedes Hormon ist nur Arztsache, darf ich als Heilpraktiker nicht verschreiben, nicht anwenden. Das mit dem Rotklee, was ich grade sagte, gibt es auch aus Sesam. Damit kann man auch Östrogene synthetisieren. Mit dem Rotklee ist seinerzeit zufällig entdeckt worden; die Schäfer hatten festgestellt, wenn sie ihre Schafherden auf Rotkleeweiden hatten, dass es danach kaum Junge gab. Es wurden keine Lämmer geboren oder ganz wenig. Und dann ist man später dazu gekommen, das mal zu untersuchen, woran liegt es denn. Und dann kam man drauf, dass dieser Rotklee ein Östrogen enthält, was eben verhütend wirkt. Hormone darf nur der Mediziner [verabreichen]. Aber es gibt Möglichkeiten, und da sollte man sich zumindest beraten lassen. Und nicht Östrogen alleine, sondern immer mit dem Progesteron dazu. Aber das weiß der Mediziner viel besser, der das mitmacht. Es gibt viele Ärzte, die sagen, um Gottes Willen. Teufelswerk.

dpr:
Viele Menschen würden gerne Leistungen eines Heilpraktikers in Anspruch nehmen, haben jedoch Angst vor den Kosten, da diese von den gesetzlichen Kranklenkassen so gut wie überhaupt nicht, aber auch von Privatversicherungen nicht immer oder nur zum Teil übernommen werden. Mit welchen Honoraren muss ein Patient bei Ihnen rechnen und besteht vielleicht sogar die Möglichkeit einer Ratenzahlung?

Hans-Dieter Regnery:
Ich sage mal, reden kann man immer über alles. Es gibt auch für Heilpraktiker eine Gebührenordnung, die man heranziehen kann. Die aber unter Umständen für den Heilpraktiker nicht praktikabel ist, wenn man zum Beispiel bei einer Infusionstherapie 12,80 Euro nach der Gebührenordnung abrechnen kann und man ist in Summe circa 40 Minuten beschäftigt, auch bei dem Patienten zu bleiben, weil man muss ja beobachten, ob er die Infusion gut verträgt. Da weiß jeder, dass er für 12,80 Euro ... in 40 Minuten ist das kaum machbar. Von daher kann man da im Einzelfall über alle Kosten und Erstattungen reden. Die meisten Privatkassen erstatten zumindest die Sätze nach der Gebührenordnung. Man kann sich als Kassenpatient normalerweise heutzutage Zusatzversicherungen für Heilpraktikerleistung gegen einen geringen Obolus dazu nehmen. Ich berechne jetzt in meinen Fall für ein Anamnesegespräch 50 Euro die Stunde. Anamnesegespräch dauert zwischen einer und zwei Stunden, je nachdem, was ansteht. Und die einzelnen Leistungen, die dann danach anstehen, werden gemeinsam besprochen. Und die Kosten werden direkt aufgelegt, die Laborkosten sind festgelegt, die werden vom Labor erhoben. Die Kosten kann man vorher einsehen, so dass da jeder für sich entscheiden kann, was und wie weit er gehen möchte und man auch im Einzelnen entscheiden kann, welche Diagnostik sinnvoll ist und man sich leisten kann. Man kann auch, was jetzt Mineralstoffe angeht, Vitamine, viele Sachen schon anhand des Beschwerdebildes verordnen, wo nicht unbedingt eine Labordiagnostik dahinterstehen muss. Aber wie gesagt, die Eingangsdiagnostik sollte sich jeder leisten, diese Stuhldiagnostik kostet in Laborkosten den Kunden circa 110 Euro. Aber dann hat man einen Stand, auf dem man ohne große weitere Kosten aufbauen kann.

Das Gespräch führten Inga Khapava und Tilo Herde