Tilo Herde, Deutscher Pressering (dpr)
Ja, schon mal herzlichen Dank für das Gespräch, das wir heute führen dürfen. Mich interessiert etwas über die Mongolei zu erfahren. Man liest und hört das ein oder andere – es ist natürlich für uns erst mal ein asiatisches Land. Es ist relativ weit weg. Wir haben es immer ein bisschen parallel wahrgenommen zu der Zeit, wo es die Sowjetunion noch gab – und natürlich auch von dort die entsprechende Einflussnahme auf das Land. Aber ich glaube mittlerweile ist über die Jahrzehnte ein neuer Prozess in Gang gekommen, auch ein Demokratisierungsprozess. Was ich wahrgenommen habe: es ist ein Land mit riesigen Flächen, mit vielen Menschen, aber naturverbunden und nicht so wie wir das hier kennen – alles in Städten konzentriert – sondern noch mit ländlichen Regionen, wo Bevölkerungsgruppen als Nomaden umherziehen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. War das für sie so ein bisschen Anhaltspunkt zu sagen: wir in einem  großflächigen Land, aber mittlerweile eben auch versteppt oder nicht mehr mit der Flora und Fauna versehen, die wir brauchen für ein gutes Klima oder auch für das Überleben als Volk, müssen da etwas tun. Es stellen sich viele interessante Fragen: Wie sind ihre Projekte entstanden? Wie kommt man als mongolischer Staatsbürger nach Deutschland? Wie kann man hier ein Germanistikstudium vollziehen? Wie kann ein vielbeschäftigter und erfolgreicher Schriftsteller, perfekt Deutsch sprechend - ich glaube 37 Bände sind von ihnen in Deutschland veröffentlicht -, auch noch Aktivist, Umweltaktivist sein? Ist es nicht eine unheimliche Aufgabe, so viel zu tun und dann mit einer Natürlichkeit und einer Unaufgeregtheit, die einfach bemerkenswert ist?

GALSAN TSCHINAG
Ja. Gibt es eine konkrete Frage? Kurz gestellte Fragen aus zwei, drei, vier Wörtern oder zwei Sätzen – dann werde ich antworten.

dpr
Was hat Sie bewogen, diesen Schritt zu tun, ein Baumpflanzprojekt in Ihrem Heimatland zu realisieren – zu beginnen?

GALSAN TSCHINAG
Die Mongolei ist ein kahles, karges, kaltes Land. Wo es schon immer nicht viel Wald gab. Aber das, was wir einmal hatten, das entsprach 15 Prozent des Territoriums. 15 Prozent Mongolei das ist wahnsinnig viel. Das sind etliche ... sechs, sieben Mal die Schweiz. Und dann kam dieser Prozess, den man im Westen Demokratisierung nennt. Den wir so im Augenblick gar nicht nennen können. Also dieser Raubkapitalismus wurde uns aufgestülpt. Und westliche Konzerne kamen. Und die Mongolei gehörte nicht mehr den Mongolen. Ein paar schlaue Männer und Frauen, die mit dem Ausland Beziehungen hatten, die haben sozusagen die Mongolei unter sich aufgeteilt. Und jetzt ist eine Lage entstanden, die unüberschaubar ist. Es gibt so viele Gesetze. Auch wir haben ein Parlament, das Tag und Nacht da sitzt und Gesetze verabschiedet. Aber nicht ein Gesetz wird verwirklicht. Es heißt ... scherzhaft sagt man, warum die so viele Gesetze machen: damit man die verletzen kann. Und Bäume wurden geschlagen. Ganze Wälder wurden geschlagen. Rundholz wurde Tag und Nacht nach China wagonweise geschafft, ganze Züge wurden nach China gebracht. China hat ja selbst genug Bäume. Aber China ist schlau. China hat alles eigentlich. Aber nach China fahren jetzt Tag und Nacht Millionen Tonnen Steinkohle. Chinesische Autos ... die großen Autozüge, für 100 Tonnen, 200 Tonnen, die   fahren rund um die Uhr. Und dann bringen sie die Kohle knapp über die Grenze Chinas, kippen um und dort wird die Kohle verlagert.

dpr
Die Chinesen schützen ihre eigenen Ressourcen. Verlängern die Haltbarkeit der Ressourcen. Und beuten andere aus.

GALSAN TSCHINAG
So ist das.

dpr
So ist es ja mit den seltenen Erden in Afrika ähnlich.

GALSAN TSCHINAG
Also das ist mit allen Ländern so. Nicht nur die Chinesen. Also die Amerikaner, Kanadier und natürlich Russland und Frankreich – Frankreich vor allem wegen Uran. Französische Konzerne arbeiten frei. Und das ist so ... dieses Land ist so zerstört im Augenblick. Und dann muss ich noch eine Sache richtigstellen. Die Mongolei ist schon nicht mehr ein landwirtschaftliches Land. Die Bevölkerung lebt jetzt hauptsächlich in Städten. Drei Millionen Menschen. Von denen 250.000 im Ausland sind. Die sind in aller Herren Länder und suchen nach ihrem Glück. Versuchen zu Geld zu kommen. Und die restlichen Mongolen sind verteilt auf drei Großstädte und 21 Bezirksstädte und 360 Kreisstädte. Allein in der Hauptstadt wohnt jetzt genau die Hälfte der drei Millionen Menschen. Ulaanbaatar hat flächenmäßig das Territorium von mittleren europäischen Städten mit 50.000 Einwohnern. Aber hier sind konzentriert 1,5 Millionen Menschen. Und da sitzen wir Tag und Nacht im Stau. Zu viele Autos. Westautos. Die Mongolen haben plötzlich einige Dinge entdeckt. Vorher hatten sie das Fernsehen entdeckt. Jeder Hinterhof wurde versehen mit einem Fernseher. Und dann hat man das Auto entdeckt. Und jeder hat ein bis zwei, drei, vier, fünf. Und die Oligarchen haben 40, 50, 60 Autos. Und die geben damit an. Ganze Autokolonnen. Die gehören mir. Also die Garagen bilden eine kleine Stadt für sich.

dpr
Ähnlich wie in arabischen Scheichtümern.

GALSAN TSCHINAG
Genau so ist das. Und Handy. Jeder Mensch hat ein, zwei, drei, vier, fünf Handys. Also da gibt es Anbieter. Und man hat für jeden Anbieter ein Handy da liegen und wo es am billigsten ist, am interessantesten ist, da kann man ... und so. Und dann Computer. Also das Gute ist dabei, dass der mongolische Mensch bewiesen hat, dass er nicht so ein Mongoloider ist wie Herr Down das festgestellt hat – damals vor 200 Jahren. Der Mongole hat mit dem Inder sehr viel gemeinsam. Der Mongole kann sehr gut programmieren. Er kann unglaubliche Aufgaben im Internet lösen. Also die Mongolen können – wenn sie wollen – per Internet weltweit halunkieren. Wer weiß was mit Amerikas Wahlen gemacht worden ist? Wenn da ein Körnchen der Wahrheit ist, kann das durchaus der Mongole sein. Also die Menschen sind unglaublich begabt. Also der mongolische Mensch hat eine gute Seite. Er ist unglaublich widerstandsfähig. Deren mächtiger Körper ist anders gebaut. Der kann im Gepäckraum bei -20, -30 Grad drei Tage liegen und ist dann immer noch am Leben.

dpr
Steht auf und macht weiter.

GALSAN TSCHINAG
Ja. Und der kann dann kämpfen. Also in allen Kampfsportarten ist der Mongole ganz groß. Also in Japan Sumo-Kämpfer ... die Mongolen sind ja klein. Der schwerste Mongole wiegt gerade 199 Kilo. Aber das ist bei Sumo gar nicht so viel. Also die haben da Sumo-Ringer, die sind über 200 Kilo. Und die Mongolen sind seit 20 Jahren – seit dem ersten Augenblick wie sie nach Japan gekommen sind, die  besten, machen die Oberstufe. Also die haben den Japanern ihr nationales Spiel einfach weggenommen. Wie die ausländischen Konzerne uns, unsere Ressourcen weggenommen haben. So ungefähr.

dpr
Und das ist ja jetzt das Spannende, aber gleichzeitig Dramatische.

GALSAN TSCHINAG
Jetzt kommt es. Also wir haben angefangen, unter anderem Holz zu fällen, ganze Wälder zu schlagen ... ich habe da nicht mehr zusehen können. Alle wollten nehmen, nehmen, nehmen, nehmen, nehmen. Und ich habe in der Presse erklärt: ich bin der erste Mensch, der nicht nimmt sondern gibt. Ich will geben. Das Gegenteil. Und seitdem pflanze ich Bäume. Mittlerweile haben wir in den 9 Jahren 700.000 Bäume gepflanzt. Und wir haben versprochen, 1 Million zu pflanzen. Und diese werden wir ganz dicke schaffen. Wir beeilen uns nicht besonders. Wir warten, dass die Stecklinge zu Setzlingen werden. Setzlinge zu jungen Bäumen werden. Und so warten wir weiter. Und wir werden die 1 Million dicke schaffen. Aber dann werden wir weiter Bäume pflanzen. Wenn ich auch nicht mehr da bin, dann werden meine Kinder diese Tat fortsetzen. Wir sind schon immer eine Geber-Dynastie gewesen in unserer Geschichte. Wir waren die Hauptfamilie bei den Tuwa-Nomaden, und wir waren alle ziemlich mit Reichtum versehen. Was Reichtum heißt, das ist ja Vieh. Mein Urgroßvater war der absolut Reichste. Und dann der Großvater war der Reichste. Und mein Vater war reich. Aber da kam die neue Zeit und hat die Hände gebunden. Wir heißen alle „Bei“. Urgroßvater hieß Tymenbei, Großvater Hylbangbei, mein Vater Schynykbei ich sollte heißen Dshurukbei. „Bei“ ist so etwas wie ein Adelstitel. Wir sind die Sirs.

dpr
Vom Namen geadelt.

GALSAN TSCHINAG
Ja, Adelige. Aber wir machen daraus nichts. Was ist ein reicher Viehzüchter? Er hat nur ein paar Tiere mehr. Seine Jurte ist genauso bescheiden. Und was er am Körper hat, ist bescheiden. Also der reichste Mann der ganzen westliche Ecke – mein Großvater – hat in seinem Leben nur zweimal aus Stoff Kleidungsstücke getragen. Aus Baumwolle. Heute würde man sagen aus Cord – aus chinesischem Stoff. Die erstbesten Menschen, die vorbeikamen, fragte er: Ach ich bin ein alter Mann und ich möchte nicht so schöne Sachen tragen. Du bist jung, und du hast ein schönes Gesicht, einen geraden Körper, komm, zieh an, und er ist wieder reingeschlüpft in seinen Schafsfellpelz. So. Es gibt keinen Unterschied. Der Reiche hat nur mehr Sorgen. Der Ärmere hat weniger Sorgen. Der Reiche muss immer überlegen: Der Winter kommt. Wo soll ich meine Schafe hinbringen ... meine Pferde, meine Familie, meine Yaks und meine Ziegen?

dpr
Ja, dies ist das Beeindruckende und der besondere Reichtum. Der Reichtum der Naturverbundenheit – im Einklang mit der Natur zu leben. Und das ist vielleicht auch die Botschaft, zu sagen: weil ich das weitertragen möchte, deswegen pflanze ich auch Bäume.

GALSAN TSCHINAG
Und mein Großvater hatte selber fünf Kinder. Zwanzig Adoptivkinder. Das sind lauter gestrandete Wesen. Manche waren blind. Manche hatten keine Nase mehr. Damals gab es ja so viele Kranke im Land. Manche waren so nicht ganz vollwertig im Denken. Und er hat all diese armen Wesen zu sich geholt und gegeben, gegeben, gegeben. Also deswegen war er so reich ... gut. Und der brauchte außerdem auch Arbeitskräfte. Was soll ein alternder Mensch mit den Tausenden von Tieren tun? Der hat gesagt: nein, nehmt, nimm, nimm. Und versucht, das über den Winter zu bringen. Du kannst schlachten, du kannst melken, du kannst alles. Und dann wirst du wenigstens nicht mehr hungern. Nicht ganz ohne. Reiche Leute haben ja ihren tiefen Sinn. Und bei mir auch nicht ganz ohne. Ich hatte ein bisschen Geld. Bisschen Name in der Welt. Und ich hatte einen gewissen Einfluss. Und dann wollte ich dieses, was vorhanden ist, was das Leben mir gegeben hat, wollte ich für gute Sachen einsetzen. Geld verdienen ist gut. Ich freue mich ... wenn ich heute 1.000 Euro gefunden habe, freue ich mich. Aber diese 1.000 Euro für sinnvolle Sachen ausgegeben zu haben, das ist doppelte Freude. Und dann wollte ich ... ja ich bin jetzt auf dem Wege ins Grab. So zügig. Ich weiß nicht, in zehn oder 20 Jahren wird es mich nicht mehr geben. Von mir wird es ja die Bücher geben. Ich habe viele Bücher geschrieben. Aber ob das allein reicht, ob das überhaupt der Mongolei etwas bringt ... meine Bücher werden im Ausland in anderen Sprachen gelesen. Für die Mongolei ist wichtig, wenn ich was Bleibendes erschaffe – Bäume, Bäume, Bäume. Und damit wollte ich ein Denkmal erschaffen. Bleibendes Denkmal. Bäume sind unsterblich. Die sind langlebig. Die säen sich selber aus. Und die mongolischen Wälder sind bescheiden. Um Ulaanbaatar herum gibt es vier Stellen – soviel ich weiß – die Hundertbäume heißen. In einem kleinen Radius 400 Bäume. Also die Hundertbäume schauen im Sommer wie ein schöner Wald aus. Das sind ja Urwälder. Und 1 Million Bäume, das sind 10.000 Wälder. Meine Güte. Ein Mensch zählt 1.000 Wälder seiner Heimat, aber 1.000.000 gepflanzte Bäume, der ist ein Held. Ich wollte so ein Patriot sein und ein Legendenheld für später. Während die anderen die Mongolei ausgeraubt haben und ihre Gelder versteckt haben auf Offshore-Konten.

dpr
Ja. Weltweit verteilt.

GALSAN TSCHINAG
... in verschiedenen Ländern. Aber ich sammele Geld von außen und das geerbte meines Geistes will ich meinem Land schenken. Also ich wollte eh zeigen – ich war doch ein Edelmann, nicht? – das ist ein edler Mann. Und meine Denkweise soll auch so edel bleiben. Also nicht ganz ohne.

dpr
Ja. Aber das ist ein gesunder Stolz oder ein gesunder Egoismus, wenn man das, was man erhält, auch offenen Herzens weitergeben kann. Etwas schaffen. Den anderen etwas schenken und auch für die nächste Generation etwas Bleibendes errichten. Und ich glaube, das ist das Phänomen, was wir auch in unserer modernen Gesellschaft sehen, dass der Geist einer  alten Unternehmergeneration, die jetzt im Begriff ist aussterben, die noch ein Bewusstsein hatte für ihre Stadt, für ihre Mitarbeiter, für ihr Umfeld, für eine soziale Situation, abhandenkommt durch multinationale Konzerne, denen völlig egal ist, ob jetzt ein Mensch im Dorf eine kleine Werkstatt hat mit 100 Beschäftigten. Das interessiert die nicht. Es geht hier um Profitmaximierung. Und so sterben auch diese edlen Gedanken einer Reihe von früheren Unternehmergenerationen, die mit ihrem Herzblut das Unternehmen aufgebaut haben. Und auch dazu stehen. Und auch etwas weitergeben. Ihren Mitarbeitern und ihrer Bevölkerung vor Ort etwas zurückgeben.

GALSAN TSCHINAG
Ja das habe ich unter anderem bei Robert Bosch gelernt. Ich habe sein dickes Biografie-Buch nicht nur gelesen, sondern studiert, und ich war so begeistert von diesem unglaublich klugen Menschen. Der war ein Kapitalist, aber der war ein guter Kapitalist. Und der hat ja nur zehn Prozent seines Besitzes für die Familie abgetrennt und 90 Prozent hat der für soziale Zwecke freigestellt. Der hat ganze Arbeiterviertel fertig gebaut. Der war einfach groß. Und ich bin dabei zu lernen von Bill Gates – der ist unter den Kapitalisten ein Großer und ein Edler. Der hat 60 Milliarden Dollar bis jetzt für gute Zwecke gespendet. Und der war einer von den Superreichen, der diese Deklaration unterschrieben hat, genau die Hälfte des Reichtums für gute Zwecke abzugeben. Aber beschämend ist: aus Europa hat nicht einer bis jetzt diese Initiative aus  Amerika unterstützt. Auch diejenigen nicht, die ich gut kenne, mit denen ich seinerzeit Raum und Zeit und Schnaps und Tee geteilt habe.

dpr
Und das ist es, was wir auch feststellen. Und gerade hier in Europa. Es gibt ja jetzt  eine neue Armutsstatistik und eine Reichtumsstatistik. Wir haben in Deutschland die meisten Milliardäre – 117 Stück momentan. Wir haben aber auch zunehmende Armut. Weil wir uns selbst auch engagieren für Tafelorganisationen oder für Menschen, die zu wenig zu essen haben oder denen Bekleidung fehlt, die ihre Kinder teilweise nicht mehr ausreichend ernähren können – selbst das in unserem vermeintlich reichen Deutschland.

GALSAN TSCHINAG
Also die Schere zwischen Arm und Reich klappt sich immer weiter aus. Das ist eine weltweite Erscheinung.

dpr
Das ist eine weltweite Entwicklung. Eine Umverteilung von unten nach oben.

GALSAN TSCHINAG
Und das will mir immer wieder sagen: der Kapitalismus ist nicht die Endlösung der Probleme. Der Kapitalismus muss – wenn auch nicht auf dem Wege der Oktoberrevolution, aber auf eine andere Weise – abgeschafft werden. Aber eher mache ich das durch den Geist ... und ich glaube, dazu werden meine Bücher stehen. Ich habe vor, 60 Bücher der Weltliteratur zurückzulassen. Bis jetzt sind über 40 Bücher erschienen. Also im Deutschen waren 37 erschienen. In der Mongolei 7, gesamt 44. Und bei mir liegen etliche Mappen. Und die kommen. Und jung wie ich bin, werde ich noch die restlichen 15 dicke schaffen und 60 Bücher der Weltliteratur geben. Und meine Bücher sind nicht Bücher wie diese Abenteuer. Also keine Serie von Krimis oder Klatschgeschichten. Meine Bücher sind philosophische Bücher. Poetische, philosophische, schamanische Bücher. Und die sollen mithelfen, die Geisteswelt ... also die Innenräume hier oben im Oberhaus neu zu beleuchten. Dann die Million Bäume. Und zum Dritten habe ich versucht, den Regen in die Mongolei in die Steppe zurückzuholen. Seit dem 12. April 2012 arbeitet bei mir eine Regenmaschine. Also die Regenmaschine hat sehr erfolgreich angefangen. Die ersten drei Jahre waren unglaublich gut. Als wir anfingen, die Maschine laufen zu lassen, in dem Augenblick entstand ein Wirbelsturm. Und man dachte ... wir hatten selber Angst, was wir für eine Kraft ausgelöst haben. Und es wurde an dem Tag um vier Grad kälter. Und am nächsten Tag schneite es. Und vier Tage später hat es noch mal geschneit. Unglaublich um diese Zeit. Und dann hat es angefangen zu regnen, regnen, regen. 2012 hat es den ganzen Sommer geregnet. 2013 hat es noch heftiger geregnet. 2014 auch. Und dann hat die mongolische Landwirtschaft angefangen, so viel Weizen abzuernten, dass davon ein Teil exportiert werden konnte.

dpr
Fantastisch.

GALSAN TSCHINAG
Aber dann kam es zur Stockung. Ich bin jetzt nicht dahinter gekommen, woran das lag. Vielleicht bin ich nicht mehr demütig geblieben. Vielleicht habe ich gedacht: ach es ist doch so leicht zu machen. Genauso ... das habe ich erfahren, als ich den ersten  Tinnitus erfolgreich absaugte – ohne Erfahrung vorher das gemacht zu haben, habe ich einfach aus Übermut oder aus Verlegenheit, weil ich gefragt wurde: wie heilen Sie Tinnitus? Ich habe gefragt: was ist das? So Rauschen und Pfeifen in den Ohren. Das war am Starnberger See in Bayern. Und da hatte ich schon ein, zwei Biere getrunken gehabt und wenn Männer Bier getrunken haben, dann werden sie ja ziemlich mutig.

dpr
Dann werden sie leichtsinnig.

GALSAN TSCHINAG
Und dann habe ich gesagt – so ein kleines blondes Wesen fragte mich, die neben mir saß: was machen Sie? – absaugen und ausspucken. Basta. So habe ich gemacht. Und dann sagte sie plötzlich: können Sie das bei mir machen, ich habe Tinnitus. Oh Scheiße, habe ich da gedacht. Und dann habe ich so weiter getan, als würde ich nichts hören. Nicht mehr getrunken. Ein bisschen geredet. Aber im Hinterkopf gedacht: was mache ich? Und alle guten Geister um Hilfe gebeten. Und irgendwann, als ich nicht mehr die gute Seele warten lassen wollte, hab ich gesagt: na Kind, komm. Genug den guten Segen beschworen. Und dann habe ich gesagt so: komm mal näher.

Frau Müller
Links oder rechts? Oh, den Nacken gleich mit eingerenkt. Herzlichen Glückwunsch. Danke.

GALSAN TSCHINAG
Das ist verdammt schwierig. Da bricht der ganze Schweiß aus allen Hautporen. Das ist nur eine Minute, aber das ist schwer. Und im Schädel entsteht ein Überdruck. Aber für dich nur ungewöhnlich. Ich wollte vielleicht dir den Hals ein bisschen brechen.

Frau Müller
Nee. Eingerenkt.

GALSAN TSCHINAG
Eingerenkt? Das ist ja umso besser. Und dann sagte sie: ist weg. Ach was habe ich mich gefreut. Und seitdem liebe ich aus der ganzen deutschen Sprache dieses eine Wort am meisten: ist weg.

dpr
Das ist ja noch ein Zusatzgeschenk an den Menschen, auch das noch zu machen – ein bisschen zu heilen. Dem Volk was zu schenken, der Natur an Bäumen, an Regen.

GALSAN TSCHINAG
Und dann habe ich einen Tinnitus, zwei Tinnitus, drei Tinnitus, eine ganze Reihe Tinnitus wegmachen können. Aber dann wollte es nicht mehr klappen. Und dann habe ich gedacht: Himmel, Himmel, was hast du falsch gemacht? Und ich war nicht mehr demütig genug. Ich habe gedacht: ach die Weltgesundheitsorganisation, die Tinnitus für unheilbar erklärt hat, die spinnen wohl. Das ist so was Leichtes. Und ich mache das. Ich war bereit, die ganze Menschheit von Tinnitus zu befreien. Aber dann, als das nicht mehr klappen wollte, da habe ich eingesehen: ich war so überschäumend. Und von dem kleinen billigen ersten Erfolg so überdreht. Und seitdem bin ich vorsichtig. Und dann habe ich eine Maschine erfinden lassen. Die Maschine steht jetzt immer noch da. Tinnitusmaschine. Gemacht von einem Schweizer Bruno Düppendorf. Und die Maschine darf aber nicht arbeiten. Wir haben am 20. Mai 2010 in Basel in dem PSI-Verein die Maschine probiert. Auf Probe genommen. 80 Menschen waren da. 80 Prozent der Menschen, die Tinnitus hatten, waren wieder gesund oder es war viel besser geworden. Die Leute bedankten sich. Und selbst die Altersschwerhörigen haben angefangen, sich zu melden. Sie haben gesagt: ach, ich höre jetzt viel besser. Aber die Maschine kann nicht arbeiten, weil die Genehmigung nicht da ist. Weil die Schweiz gefährlich sei. Also die Pharmamafia will nicht zulassen, dass so eine Massenkrankheit auf diese einfache volkstümliche Art und Weise beseitigt wird.

dpr
Ja. Und so ist es bei vielen Heilern oder auch bei Menschen, die wirksame Dinge entwickelt haben. Ich habe schon mit vielen gesprochen, die diese beiden Phänomene hatten. Auch natürlich in ihrer Euphorie versucht haben, alle Menschen zu heilen – teilweise selber drüber krank geworden sind, stellenweise auch die Demut verloren haben – und sich dann wieder neu geerdet haben und dann zu neuen Erfolgen kommen konnten. Aber überall gibt es die Interessenkollisionen mit der Industrie. Nehmen wir zum Beispiel Erfahrungen mit Magnetresonanztherapien oder anderen interessanten Dingen, die Heilung bringen – wo man nachweislich auch Besserung verspürt – aber einfach gesagt wird:: das ist Scharlatanerie. Weil es natürlich wirtschaftlichen Interessen der Pharmaindustrie oder Ärzten oder wem auch immer in die Parade spuckt. Und deswegen wird es meiner Ansicht nach auch noch Jahrzehnte dauern bis wir eine wirklich ehrliche Therapie geben Krebs haben. Weil auch hier, glaube ich, ist dieses was man heute den Menschen antut mit unkontrollierten, überdosierten Chemotherapien – das Ruinieren der eigenen Immunsysteme – genau kontraproduktiv, um Tumore einzugrenzen. Aber es ist ein Riesengeschäft. Und ich glaube, das muss erstmal auch in den Köpfen der Menschen ankommen. Und dafür braucht man natürlich auch Menschen, die es kommunizieren. Auch Menschen wie Sie, die einfach sagen: ich verbreite das jetzt so. Und ich mache irgendwas, egal gegen welche Widerstände. Und dies ist heute wichtiger denn je, um wirklich Menschen zu helfen. Weil vieles andere ist kein Heilen. Es ist nur ein Verschieben der Krankheit.

GALSAN TSCHINAG
Verschieben und Verlängerung des Leidens. Also wenn der tödliche Krebs wirklich einmal drinsteckt, dann sollte das schnell zu Ende gehen. Also in den Stammeskulturen ist es ja so, dass man da nichts mehr macht. Dass man nichts zu essen, nichts zu trinken gibt. Und derjenige selbst, der unheilbar erkrankt ist, sagt dann: ach was soll das? Ich habe meine 60 Jahre gelebt und jetzt möglichst nur kurz leiden. Mache Schluss. Dann verabschiedet er sich und trinkt nichts mehr, isst nichts mehr. Also keine Woche dauert das – vier, fünf Tage.

dpr
Wie es in den Indianerkulturen war.

GALSAN TSCHINAG
... geht dann. Und was macht die moderne Schulmedizin? Da wird also mit Chemotherapie und mit all dem gemacht, gemacht und der Mensch muss ein Jahr, zwei Jahre, drei Jahre, vier, fünf Jahre leiden. Und ich habe dann gelesen: wenn in Amerika ein Krebskranker fünf Jahre am Leben geblieben ist, dann heißt es er ist geheilt. Also Heilungsrate. Ja, Krebs ist nicht unheilbar. Da muss man rechtzeitig dosieren. Und wenn man das gekonnt hat, dann ist es genauso heilbar wie andere Sachen. Aber wir Menschen machen ja den Fehler, dass wir zu spät merken, dass wir zu viel Zeit vergehen lassen. Und haben Sie mein blaues Buch gelesen – ohne die Tat ist alles nur Geplapper?

dpr
Das habe ich mir noch vorgenommen. Das muss ich jetzt wirklich noch tun.

GALSAN TSCHINAG
Wenn man dieses Buch gelesen hat, dann weiß man wie ich arbeite. Ich bin sehr mutig. Einfach draufgängerisch – so würde ich sagen. Und mir erscheint etwas machbar. Und dann mache ich einfach. Und das Schönste ist: alle meine Visionen sind bis jetzt wahr geworden. Keine Vision ist irgendwie weggeblieben. Und bis jetzt erscheint mir eine Sache, die ich nur als Vision – als Traum – in mir trage: ich wollte ein ökologisches Weltdorf zu Stande bringen. In irgendeinem steinernen Wüstenhöhental – Wüstental in der Höhe des Altai. Und da sollten Menschen arbeiten von allen Nationen und die sollen billig, einfach, weise ein Dorf erschaffen, das ohne die Welt zu zerstören sich selbst mit Strom versorgen soll – mit Wind, mit Sonne. Und das ist machbar. Aber woran ich scheitere, sehe ich. Menschen zu finden ist sehr, sehr schwierig. Ich habe mit zwei, drei Menschen versucht, als erste Bewohner dieses künftigen ökologischen Weltdorfes ... habe ich zu mir herüber geholt. Die taugen nicht dafür. Aber trotzdem weiß ich, es gibt viele Menschen. Wenn ich zehn Menschen gesucht habe, spätestens der Zehnte müsste wirklich tauglich sein.

dpr
Bereit sein.

GALSAN TSCHINAG
Nummer-1-Bewohner des künftigen Weltdorfes zu sein.

dpr
Aber nicht geeignet – heißt das, dass die Leute nicht diese beschwerlichere Situation auf sich nehmen wollen, weil es vielleicht nicht so komfortabel, so bequem ist? Oder ist es einfach eine mentale Blockade zu sagen: ich kann das alles nicht verstehen?

GALSAN TSCHINAG
Wir Menschen scheitern an uns selbst. Wir sind zu sehr Mensch. Also der Mensch ist ja ein Wesen, das weit weg entfernt ist, perfekt zu sein.

dpr
Das ist korrekt. Ja. Definitiv.

GALSAN TSCHINAG
Also die Oktoberrevolution war sehr wohl gut gedacht. Das war richtig – theoretisch. Dann die große, mächtige Sowjetunion, die sieben Jahrzehnte da gestanden hat und sogar den Hitler geschlagen hat – das war Beweis. Aber letztendlich ist sie woran gescheitert? An den Menschen. Unsere Führer, die Spitzenkommunisten, wurden nach und nach zu gierigen Kleinbürgern.

dpr
Richtig. Ja.

GALSAN TSCHINAG
Die wollten sich herausheben aus den Massen und die wollten alles haben, alles dürfen. Aber während das Volk so wie in einem Ghetto eingeschlossen wird.

dpr
Ja. Für sich alle Privilegien in Anspruch nehmen und das Volk halt irgendwo einkasernieren. Das ist auch unter Stalin so gewesen. Er hat Millionen Menschen auf dem Gewissen durch Verfolgung und Mord. So wie viele Diktaturen, als herausragende Persönlichkeiten gestartet mit einer guten Idee, mit einer Vision. Aber das, was nachher übrig bleibt, das scheitert am Menschen oder an seinen Begierden, an seiner Unfähigkeit, auch dann wieder zur Ruhe zu kommen – auch sich selber zurückzunehmen, Demut zu zeigen und nicht nur sich zu sehen und die eigene Bereicherung. Aber ich glaube, da scheitern wir fast alle als Menschen.

GALSAN TSCHINAG
Der Mensch ist einfach nicht zu sättigen. Nicht an Lebensmitteln sondern an Ruhm, an Macht, an Gier. Und dann denke ich an viele Menschen. Also warum hören die nicht auf? Also der arme Schäuble, der Bewohner eines Rollstuhls – nicht nur, der drauf sitzt, der drauf wohnt ... das ist ja sozusagen sein Dauerzustand – der ist ein alter Kerl, der hat es nicht leicht. Und unsere Mama zu Berlin. Die ist ja vor unseren Augen unmöglich gealtert. Aber die will weiterkämpfen. Keiner hat genug. Und die Multimilliardäre, die Oligarchie weltweit, die kann nicht aufhören. Nur ganz wenige. Ich kenne einige, die aufgehört haben. Ich kenne solche auch. Die sagen eines Tages: nun, was soll’s? Ich habe jetzt genug. Jetzt will ich anfangen, wieder zu leben. Menschliches Leben zu leben.

dpr
Ja. Und das sind für mich die Erleuchteten, die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere oder ihrer Schaffensphase sagen: so, danke für das, was ich schaffen durfte. Und jetzt nehme ich mich zurück. Und jetzt tauche ich wieder ganz ab dahin woher ich gekommen bin. Ich habe mein Werk vollbracht. Und jetzt darf ich auch wieder zurücktreten. Aber die Gier nach Macht, nach Aufmerksamkeit, nach permanent im Rampenlicht stehen, die ist bei fast allen so groß, dass sie diesen Punkt verpassen. Und dann aber auch irgendwann automatisch abstürzen. Weil der Erfolg ausbleibt, weil sie nicht mehr gut gelitten sind, weil sie Gegenwind bekommen. Und irgendwann sind sie dann auch weg vom Fenster. Aber in einer unschönen Situation.

GALSAN TSCHINAG
Also es gibt solche Menschen schon. Müntefering würde ich sehr hoch anrechnen, dass er gesagt hat: genug, jetzt bin ich alt und die Jüngeren sollen das weitermachen. Also den letzten deutschen Kaiser finde ich auch heldenhaft. In seiner merkwürdigen Situation. Der gesagt hat: Kinder, macht euren Dreck selber weiter, ich haue ab nach Holland. Er hat sich in die Niederlande hinübergesetzt. Es gibt solche Menschen. Aber dann sind die meisten Menschen unverbesserlich. Also das ist der Grund, weshalb ich sage: wir Menschen scheitern an uns selbst. Der Weltsozialismus ist ja an sich selbst gescheitert. Nicht die NATO hat den Weltsozialismus zu Fall gebracht. Keine Panzer rollten, keine Bombe wurde abgeworfen. Das zerfiel von innen heraus. Brach zusammen wie ein Kartenhaus.

dpr
Ja. Und das ist heute wo ich sage: wir brauchen eine neue Ausrichtung. Ich würde es auch humanistische Wirtschaftsordnung nennen wollen. Zu sagen: der Mensch mit seinen Bedürfnissen muss im Mittelpunkt stehen und nicht die absolute Gewinnmaximierung. Aber es ist halt schwierig. Und wir haben heute auch in vermeintlich sozialistischen Ländern natürlich einen Raubtier-Kommunismus – mit harter Hand geführt. Wenn ich die Chinesen sehe, das ist ja nichts anderes als ein knallharter Kapitalismus. Aber in einem Einparteiensystem mit der Peitsche. Und auch da ist ja keine Entwicklung festzustellen, um von diesem autokratischen und unterdrückerischen System wegzukommen. Ich habe zwar den wirtschaftlichen Reichtum einer Elite gemehrt – massiv gemehrt – ich habe auch bedingt etwas Reichtum in die Bevölkerung gebracht. Die Nahrungsmittelknappheit vermindert. Die Ernährungssituation der Kinder verbessert. Die Sterblichkeitsrate verringert. Aber trotzdem habe ich nicht diesen großen Sprung gemacht in eine wirkliche neue Revolution. Oder in eine globale Verbesserung. Und jetzt zurück zur Mongolei, einem dagegen kleineren Land, was ursprünglich mit einem naturverbundenen, mit sich im Reinen befindlichen Volk gelebt hat, welches jetzt katapultiert worden ist in eine kapitalistisch ausbeuterische Situation mit Menschen, die dieses System auch vertreten. Und für mich stellt sich die interessante Frage: wie kann man in einem System, wo Sie sicher nicht nur Freunde haben (wenn ich ein Geber bin und Menschen gegenüberstehe, die nur nehmen, dann bin ich erstmal störend für dieses Land) sicherstellen, dass genau dieses Erbe erhalten bleibt und ankommt? Und dass mir dies kein Neider wieder wegnimmt oder ein Unfrieden im Volk geschaffen wird? Um einfach zu sagen: ja, wieso muss der das machen? Warum ist das für unser Land gut? Der will sich doch nur ein Denkmal setzen. Wir sehen das ganz anders. Und das haben wir in manchen Ländern erleben müssen; für mich war immer ein gutes Beispiel damals Kambodscha, wo man sagte es war einst ein blühendes Land.

GALSAN TSCHINAG
... unter Sihanouk war das ein schönes Land. Und dann kam dieser damals von den Roten Khmer: Pol Pot.

dpr
Genau. Und die haben dieses wunderschöne Land mit seinen Errungenschaften im Prinzip samt seiner Menschen zerstört. Und was gibt mir die Hoffnung, dass das in dieser Form in der Mongolei erhalten werden kann, dass man dieses wunderbare Werk – diese Bäume und diese Regenmaschine und vieles mehr, auch die Verbundenheit mit der Natur – dass man das in die nächste Generation retten kann?

GALSAN TSCHINAG
Also ich bin Idealist in der heutigen Zeit. Wir kaufen ja die Setzlinge gegen gutes Geld selber. Und dann schenken wir weiter. Ganz einfach umsonst. Wer Bäume pflanzen will, soll kommen. Wir stellen drei Fragen. Hast du einen guten Zaun? Werden die Bäume gut beschützt sein? Ja. Und: Hast du Wasser? Ja. Und: Hast du jemanden, der von der Sache ein bisschen Ahnung hat? Ja. Wenn diese drei Fragen bejaht worden sind, dann geben wir ganz einfach. Kostenlos. Der eine bekommt nur zehn Setzlinge. Die Rentner sind meistens sehr bescheiden und die sind dankbar, wenn sie zehn Setzlinge bekommen. Und manche Organisationen mehr. Das mongolische Verteidigungsministerium hat von mir über 400.000 Bäume bekommen. Das ist also mein Hauptfeld. Und wenn man diese wachsenden Haine und Wälder sieht, dann bekommt man ganz einfach Mut. Das ist die Frucht meines großen Herzens – meiner Geberlust. Und dann sehe ich: vor fünf Jahren ist in dieser Wüstensteppe nichts gewesen, jetzt steht da ein dichter Hain und da hausen verschiedene Vögel. Und die Fläche der Erde ist völlig anders geworden. Auch ringsum grüner geworden. Und dann denke ich: das hat sich gelohnt. Aber dann bleibt der Nasreddin Hodscha oder Till Eulenspiegel in mir und sagt augenzwinkernd: ist das nicht ein toller Kerl? Also diese kleine Selbstlobelei oder Selbstspötterei, das ist mein Honorar.

dpr
Das gehört dazu. Man darf sich auch mal selber mögen für das, was man tut. Und ich glaube es war eine geschickte Vorgehensweise natürlich auch, die öffentlichen Organe in der Mongolei einzubeziehen – Verteidigungsministerium. Auch zu sagen: so, die können jetzt aus der Nummer gar nicht mehr raus, weil sie selber so tief involviert sin.

GALSAN TSCHINAG
Und die Soldaten haben für mich Löcher ausgehoben. Und dann habe ich in Deutschland erzählt: vielleicht werde ich zu Angela Merkel gehen und vielleicht gibt sie mir ein paar Hundert Bundeswehrsoldaten als Baumpflanzer – warum nicht? Das kann man ja probeweise machen. Viele Länder machen das ja.

dpr
Ja. Und das ist eine super Aufgabe. Und ich finde, dass wir auch was lernen können oder müssten. Weil nämlich genau das, was bei uns jetzt passiert – die Insekten und Vögel werden weniger, die Wälder sterben. Es sterben einfach viele Arten aus. Dieser Reichtum an Vielfalt, die unsere Erde uns mitgegeben hat, wird dezimiert. Und ich glaube irgendwann brauchen wir einen Galsan, der in Deutschland etwas bewirken kann. Und sagt: wir müssen auch wieder Freiflächen haben. Wir brauchen Bäume. Wir brauchen nicht bewirtschaftete Wiesenfelder.

GALSAN TSCHINAG
Ja ich biete mich an. Die sollen mich fragen.

dpr
... einfach fragen.

GALSAN TSCHINAG
... zum Staatsweisen machen. Mit aller Macht ausgerüstet. Und dann werde ich sagen: Kinder, halt, ab jetzt planen wir kein Mehr mehr. Also das soll erst mal bei Null bleiben. Im nächsten Jahr Nullwachstum. Und dann werden wir langsam abbauen. Ein Prozent weniger, zwei Prozent weniger. Und dann, wenn wir klug genug wirtschaften, kann man mit 80 Prozent der heute vorhandenen Kapazitäten wunderbar leben. Die Menschen sollen noch weniger arbeiten. Zwei Tage in der Woche arbeiten, die anderen Tage zu Hause bleiben. Wenn die Menschen zu Hause bleiben, da wird wenig Energie verbraucht. Dann müssen nicht Millionen Autos ständig fahren. Und dann werden sie nicht zu Hause faul da liegen. Die werden in ihren Gärten, in ihren Schrebergärten, in ihren großen Parks um ihre Schlösser herum die Erde schöner machen. Und es liegt an unserer menschlichen Natur, dass wir die Schönheit mögen. Und dann werden wir nach und nach unser Paradies aufgebaut haben. Also damit beende ich dieses amüsante Gespräch. Also ich als künftiger Deutschlandweise.

dpr
Weiser und Bewahrer. Ja. Und Entwickler und Visionär. Ich würde mir mehr Menschen auch in unserem Land wünschen, die einfach so ein bisschen über den Tellerrand schauen.

GALSAN TSCHINAG
Ich mag Deutschland, ich mag Europa, ich mag den Planeten. Also für mich steht längst fest, dass der Planet meine große Heimat ist. Dass die Menschheit meine große Sippe, meine Verwandtschaft, mein Volk ist. Damit Sense.

dpr
Herzlichen Dank.